Druckverlust bei Ex "p"

  • Hallo an die Profis

    Ich bin aktuell auf der Suche nach den Anforderungen an die Standard-Elektronik, welche durch die Überduckkapselung geschützt wird. Bei einem Druckabfall wird die Elektronik sicher abgeschaltet, nur innerhalb welcher Zeit muss dies geschehen und in welcher Zeit müssen alle Energiespeicher leer sein.

    Nach IEC 60079-2 gelten die Anforderungen an die Eigensicherheit für alle nach Druckabfall versorgten Kreise (z.B. Batterien).

    Schütze ich einen Schaltschrank gefüllt mit Standard-Elektronik mit Überdruckkapselung muss der Schaltschrank spannungsfrei gemacht werden, wenn die Tür geöffnet wird. Nur damit ist aus meiner Sicht nicht sichergestellt, dass die Energiespeicher leer sind bis es gefährlich wird (z.B. in Zone 1).

    Ein Beispiel welches das Problem ein bisschen veranschaulicht

    - Nehme ich eine Bufferbatterie muss ich bei Druckverlust z.B. ib halten,

    - nehme ich einen Supercap (grossen Kondensator) gilt das nicht mehr, so wie ich die Norm lese, da ich keine Batterie mehr habe.

    Das ist für mich nicht schlüssig.

    Wäre einer der Profis so nett und würde ein wenig Licht ins Dunkle bringen?

    Schöne Grüsse

    Dominique

  • Hallo Dominique,


    SuperCaps sind erst seit der neusten Ausgabe der IEC 60079-11, Ed. 7 in der Eigensicherheit berücksichtigt. Die Zusammenfassung ist, sie werden wie Batterien behandelt. Details solltest du dir am besten in der Norm anschauen. Ich hoffe, dies bringt dir für's Erste etwas "Licht in ins Dunkle".


    Beste Grüße,

    Geoffrey

  • Hallo Geoffrey


    Danke für Deine Antwort. Weisst Du wie schnell bei einem Druckverlust bei Ex "p" die Energiespeicher leer sein müssen?
    Aktuell finde ich nur Informationen darüber was bei Überdruck zulässig ist und was wenn der Überdruck weg ist, nur wie schnell ich von einen in den andern Zustand kommen muss finde ich nirgends.

    Schöne Grüsse

    Dominique

  • Gerne!

    Aus Sicht Ex "p" muss die Information eigentlich umgekehr recherchiert werden. Wie lange braucht der Kondensator bis dieser entladen ist? Die Überdruckkapselung muss dann auch für diesen Fall für ausreichend Spülung sorgen.

    Wenn dies so herum nicht funktioniert und der Kondensator in einen undefinierten ggf. nicht gespülten Zustand treten kann, benötigt dieser eine eigene Zündschutzart.

  • Hallo Geoffrey,

    Sorry ich steh wirklich etwas auf dem Schlauch.
    Deine Antwort kann ich gut nachvollziehen, das entspricht auch meinem Verständnis von Ex, aber es erscheint mir etwas unrealistisch das bei allem käuflichen Komonenten zu gewährleisten.
    So wie ich die Überdruckkapselung bisher verstanden habe, war es doch genau der Vorteil, dass ich auch alle möglichen nicht Ex-Komponeten einsetzen darf, da diese durch die Überdruckkapselung geschützt sind und wenn diese versagt muss die Versorgung gekappt werden und es gilt in meinem Falle bei Zone 1 "ib".

    Hier kommt keine Konfusion her:
    Die Überdruckkapselung erlaubt grundsätzlich die Verwendung beliebiger Elektronik im Inneren. Im Falle eines Druckverlustes soll die per sofort "ib" werden (==> Spannungsfrei wenn Tür offen)
    Das würde in der Konsequenz bedeuten, dass die Elektronik davor auch schon "ib" genügen muss, denn per sofort kann sie es nicht werden, es benötigt aus meiner Sicht eine zeitliche Einschränung, ab wann nach dem Druckverlust die Anforderungen der Eigensicherheit zu gelten haben.

    Wenn diese Zeit im Standard nicht definiert ist, wer ist dann verantwortlich diese Zeit zu definieren?
    - das ist aus meiner Sicht Pflicht, sonst wäre die Überdruckkapselung irgendwie unsinnig.
    - in der IEC 60079-13 habe ich im Kapitel 6.2.2 etwas von 60 s gelesen, nur die ist für mich als Gehäuse mit statischem Druck nicht anwendbar.

    Danke für Deine Aufklärungsarbeit.

    Ich wünsche ein schönes Wochenende
    Dominique

  • Hallo Dominique,


    ich kann deine Konfusion verstehen. Ich habe nicht alle meine Gedanken, die ich zu deiner Frage hatte, auch in meine Antwort geschrieben.

    Für mich bedeutet "Druckabfall" in deinem skizzierten Beispiel, dass die Überdruckkapselung nicht mehr 100% wirksam ist ja sogar unwirksam ist und alle elektrischen Bauteile im Gehäuse unmittelbar spannungslos geschaltet werden müssen. Wenn aber nicht alle elektrischen Bauteile im Falle eines Druckabfalls energielos sind (siehe Kondensator) benötigt dieser von Vornherein eine andere Zündschutzart: Eigensicherheit.

  • Ergänzend: Bei großen Kondensatoren, wird die regelgemäße Öffnung des Gehäuses via Taster angefordert. Dann wird die elektrische Versorgung abgeschaltet und der Kondensator über einen passenden Widerstand kurzgeschlossen.;)

  • Oje, ihr macht mir ja richtig Freude, da freut man sich sich richtig in die neue Woche zu starten ;)

    Ich habe einen leistungshungrigen PC in Überdruckkapselung und muss davon ausgehen, dass das Überdruckgekapselte Gehäuse während dem Transport beschädigt werden könnte.

    Dann habe ich wahrscheinlich nur die Möglichkeit, mit "unfehlbar" zu argumentieren, wenn ich den PC drinnen lassen muss, oder ich könnte wahrscheinlich eine druckfeste Kapselung verwenden, was aber bei einem transportablen Gerät nicht unbedingt von Vorteil wäre.

  • Hallo Dominique,

    es ist eigentlich eine übliche Aufgabe bei solchen Projekten. Die Hauptfrage, die sich stellt ist eigentlich: Wie viele dieser PC's brauchst Du im Jahr? Damit kann man den Aufwand - der bei den unterschiedlichen Zündschutzarten sehr stark differenziert - abschätzen.
    Die zweite wichtige Frage ist: Mit Sichtscheibe (wenn ja wie groß) oder nicht? Im druckfesten Bereich ist so um 20" bis 22" ein Ende erreicht, die Gläser werden dann zu dick und zu schwer....

    Und für druckfeste Gehäuse gibt es sogar Hersteller, die komplette PC's - auch mit Sichtscheiben - anbieten können (das Gewicht kann sich hier schnell zwischen 200 und 300 kg oder auch mehr bewegen). Auch fertige überdruckgekapselte PC's kann man erwerben.....

    Und wenn Du doch selbst bauen möchtest, solltest Du mit einem Entladeprotokoll der eingebauten Kondensatoren beginnen; auch eine betriebliche Entladung zählt.

    Ein freundliches Glückauf!

    Günter :bau:

  • Hallo Zusammen
    Nun habe ich noch eine Frage, nachdem ich mich viele Stunden mit der Norm beschäftigt habe, bin ich auf die Idee mit dem Alarm gestossen. Wenn ich die Norm richtig lese, müsste es erlaubt sein, einen Alarm auszulösen, wenn das Gehäuse den statischen Überdruck verliert (ich bin in Zone 1 mit pxb). Damit würde die Verantwortung im Schadensfall (Druckverlust) auf den Betreiber übergehen, wenn ich das richtig verstanden habe. Es wäre dann eher die Frage ob der Betreiber so ein System in der Ex Zone zulassen will oder nicht?
    Oder verstehe ich etwas komplett verkehrt?

    Schönes Wochenende wünsch ich
    Gruss Dominique

  • Einen Alarm (optisch oder akustisch) muss man so oder so setzen.

    Für überdruckgekapselte Gehäuse der Gruppe II müssen die elektrischen Geräte, die Spannung führen können, wenn das Schutzniveau „pxb“ oder das Schutzniveau „pyb“ nicht in Funktion ist, eine eigene Zündschutzart haben; siehe Abs. 7.15.

    Bis die Überdruckkapselung aber nicht mehr in Funktion ist, hast du bestimmt euer Entladeprotokoll gefahren, sodass die Kondesatoren nicht mehr unter Spannung stehen :)

  • Das bedeutet für mich letztendlich, dass ich 8.6 und 8.7 gleichzeitig erfüllen muss.
    Das Kapitel 8.6 erlaubt mir, den Alarm auszulösen, wenn ich einen Druckverlust habe, ich muss nach diesem Kapitel nicht abschalten, wenn ich gleichzeitig die Anforderungen Gb erfülle. Das entspricht auch meinem Verständnis, nur hatte ich ein Gespräch mit einer benannten Stelle und die haben argumentiert, dass nur der Alarm bei Druckverlust (bei pxb) ausreichend ist und Gb nicht erfüllt werden muss, da ja auch 230/400V Leitungen in solch einem Gehäuse sein können, welche weiterhin eingeschaltet bleiben auch wenn der Druck weg ist ohne zusätzliche Schutzart.
    Das passt einfach nicht zu meinem Verständnis und irritiert mich völlig. Wie geht es euch dabei?

    Ebenso gab es eine Diskussion über Annex G (Batterien), wo ich gerne euren Input hätte. Ersetzt Anhang G die Anforderungen der anderen Kapitel (z.B. 7.15 mit Gb) oder nicht, weil z.B. G.6.4 erklärt, wie die Kapazitäten zu berücksichtigen sind, aber nicht, ob Fehler berücksichtigt werden müssen. Mich verwundert es ein wenig warum hier so explixit auf diverse Aspekte eingegangen wird und nicht generell auf die IEC 60079-11 verwiesen wird.
    Die Argumente der benannten Stelle waren auch hier, es gibt die 230V Leitungen und wenn die Batterie und die Anschaltung IEC 60079-2 Kapitel G3 erfüllt reicht das aus, es müssen nicht alle daran angeschlossenen Schaltungsteile betrachtet werden, da die im Verhältniss zu den 230V "Peanuts" sind.
    Auch das passt nicht so ganz zu meinem Verständniss, da diese Argumentation würde irgendwie die Eigensicherheit und vor allem die Anforderungen in 7.15 mit Gb bei fehlendem Überdruck in Frage stellen.

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