EMV Richtlinie in Einbauerklärung

  • Es geht um die EMV Richtlinie 2004/108/EG.


    Für einen Kunden wurde im Rahmen einer unvollständigen Maschine für den Ex-Bereich eine Einbauerklärung erstellt. Diese hat der Kunde in mehreren Punkten angemahnt, unter anderem die RL 2004/108/EG.
    Seiner Meinung nach muss für dieEMV Richtlinie eine eigene Konformitätserklärung errstellt werden, stimmt das? Und wie bekommt man das dann mit der Einbauerklärung zusammen. Weiterhin möchte er die angewendeten harmonisierten EMV Normen auf der Einbauerklärung stehen haben, ist das ein muss? Wo finde ich diese harmonisierten Normen?

  • Hallo misterelektro1981,


    ohne eine EMV-Überprüfung nach der RL 2004/108/EG darf überhaupt KEIN Gerät ausgeliefert werden. Das ist so von der EU festgelegt.... <!-- s:constr: -->:constr:<!-- s:constr: -->


    Jetzt wird es aber komplizierter....
    - Es ist dazu eine EG-Konformitätserkärung auszustellen, diese muss aber nicht dem Kunden zur Verfügung gestellt werden.....
    - Es ist eine CE-Kennzeichnung an dem Gerät anzubringen
    - Es soll in der BA genannt werden, dass eine Überprüfung nach der RL stattgefunden hat (muss aber nicht, da Du sonst das Gerät erst gar nicht ausliefern darfst)


    Wenn nun eine EG-KE ausgestellt wird, egal ob der Kunde sie bekommt oder auch nicht, müssen dort die entsprechenden Normen aufgeführt werden. Und diese findest Du im Amtsblatt der EU; für ATEX-Bereich habe ich in meinem Forum eine Liste der wichtigsten, aber für die EMV ist es einfach zu viel.
    Nur die im Amtsblatt der EU veröffentlichen Normen erfüllen die Vermutungswirkung, dass deren Einhaltung die Konformität Deiner Maschine sicherstellt. Aber Achtung: Alle paar Monate gibt es neue Ausgaben und alte Versionen verschwinden wieder ...

  • Danke für die Hilfestellung. Oh Mann was soll ich sagen. Mein Vorgesetzter wußte erst nicht, dass eine Risikobeurteilung erstellt werden muss und jetzt wieder so was.


    Wenn ich das richtig verstanden habe, müssen wir nun also separat eine EG-Konformitätserklärung nur für die EMV RL 2004/108/EG erstellt werden, welche jedoch nicht dem Kunden bereit gestellt werden muss (Normen finde ich im Amtsblatt der EU). MOmentan ist der Verweis der EMV RL 2004/108/EG auf unserer Einbauerklärung und Konformitätserklärung nach MRL mit drauf, nur halt nicht die harminisierten Normen. Kann man denn beiden zusammen dann in eine gemeinsame Einbauerklärung und Konformitätserklärung bauen, würden dann ja wahrscheinlöich 2 Seiten werden oder muss man das trennen?
    Das gilt für den ATEX sowie für den nicht ATEX Bereich, richtig? Würde also bedeuten:


    Hoffe das richtig verstanden zu haben, falls nicht bitte korrigieren.


    Eine Frage dann noch: Was bedeutet BA?

  • Vielen Dank nochmals für den Tip des Amtblattes der EU. Dort habe ich alle relevanten Normen gefunden und hab diese man angehangen.


    Eine allgemeine Frage:
    Wie deute ich das Feld "Datum der Beendigung der Annhame der Konformitätsvermutung für die ersetzte Norm Anmerkung 1"
    => bedeutet das, die Referenz der ersetzten Norm ist dann nicht mehr anzuwenden und stattdessen die Norm die eine Spalte weiter links steht?


    Eine Konformitätserklärung dafür zu erstellen macht doch nur Sinn, wenn ein Schaltschrank mit der Maschine mit geliefert wird, oder? Ansonsten sind an der Maschine nur Motoren und dafür gibt es keine anwendbare EMV Norm (zumindest habe ich keine gefunden)

  • Zitat von "misterelektro1981"

    Wenn ich das richtig verstanden habe, müssen wir nun also separat eine EG-Konformitätserklärung nur für die EMV RL 2004/108/EG erstellt werden, welche jedoch nicht dem Kunden bereit gestellt werden muss (Normen finde ich im Amtsblatt der EU). Momentan ist der Verweis der EMV RL 2004/108/EG auf unserer Einbauerklärung und Konformitätserklärung nach MRL mit drauf, nur halt nicht die harmonisierten Normen. Kann man denn beiden zusammen dann in eine gemeinsame Einbauerklärung und Konformitätserklärung bauen, würden dann ja wahrscheinlich 2 Seiten werden oder muss man das trennen?


    Mit zwei Seiten sehe ich kein Problem, ich kenne sogar welche, die drei Seiten lang sind.. <!-- s8) -->8)<!-- s8) --> Auch das Zusammenführen der EG-KE's in ein Papier ist, nach Aussage von Mitarbeitern der EU-Kommission in Brüssel, sogar erwünscht!


    Zitat von "misterelektro1981"

    Eine Frage dann noch: Was bedeutet BA?


    BA = Betriebsanleitung


    Zitat von "misterelektro1981"

    Wie deute ich das Feld "Datum der Beendigung der Annhame der Konformitätsvermutung für die ersetzte Norm Anmerkung 1" => bedeutet das, die Referenz der ersetzten Norm ist dann nicht mehr anzuwenden und stattdessen die Norm die eine Spalte weiter links steht?


    Ja, so sehe ich das auch.


    Zitat von "misterelektro1981"

    Eine Konformitätserklärung dafür zu erstellen macht doch nur Sinn, wenn ein Schaltschrank mit der Maschine mit geliefert wird, oder?


    Wie kommst Du darauf? Ich kann doch ein elektronisches Gerät herstellen, das in eine Komponente oder in ein Bauteil eingebaut wird und das zu EMV-Störungen führen kann.... Aber Achtung, es gibt auch elektrische Geräte, wie z.B. Schütze, für trifft die EMV-Richtlinie nicht zu! Das findest Du aber in den Normen wieder. <!-- s:constr: -->:constr:<!-- s:constr: -->


    Und noch ein Hinweis: Das Amtsblatt der EU wird regelmäßig "aufgefrischt". Was heute noch gilt, kann morgen schon wieder Schnee von gestern sein. Na, so ganz so schlimm ist es in der Praxis nicht, auch besteht ja für in Betrieb befindliche Geräte so etwas ähnliche wie ein Bestandsschutz (das Wort gibt es in den RL NICHT) und gilt "nur" für das Neu-Inverkehrbringen... <!-- s8) -->8)<!-- s8) -->

  • Danke, das war wirklich gut beschrieben.
    Aber ich weiß immer noch nicht genau welche harmonisierten Normen ich auf die Konformitätserklärung der EMV RL oder auf die Einbauerklärung (ich denke, wir werden das dann zusammenfügen) zu schreiben habe.

    Es gibt für mich generell 2 unterschiedliche Fälle (kann aber je nach verwendeten Geräten im Schaltschrank auch variieren), in denen dann auch unterschiedliche harmonisierte Normen drauf kommen.
    Ich gebe man 3 Beispiele, Vorraussetzung ist das der Schaltschrank zur Maschine gehört und diese nach EMV RL bewertet werden muss!

    Fall 1, Maschine ohne Schaltschrank mit unseren eigenen Elektroantrieben => hierfür finde ich keine harmonisierten Normen, die wir anwenden können

    Fall 2, Maschine ohne Schaltschrank mit fremden Antrieben => hierfür wird meines Erachtens nun keine Konformitätserklärung gemäß EMV RL erstellt, obwohl du geschrieben hattest, es sei wohl ein muss und es sollte auch in der BA ein Satz dazu stehen. Wozu sollten wir denn eine Konformitätserklärung gemäß EMV RL erstellen, wenn wir kein Teil verwenden, dass EMV Störungen verursachen kann. Der Hersteller der Antriebe hat im besten Fall auf seiner Konformitätserklärung die EMV RL mit entsprechenden Normen bestätigt, ist dass dann nicht ausreichend.

    => Ich habe hier festgestellt, dass viele Hersteller (habe ich aus persönlichen Gesprächen erfahren) einfach harmonisierte Normen auf die Konformitätserklärung schreiben, obwohl diese keine Anwendung finden. Das ist meines Erachtens auch nicht der richtige Weg, um den Kunden zufrieden zu stellen.

    Fall 3, Maschine mit Schaltschrank => wir du festgestellt hast, finden für mich also immer nur harmonisierte Normen Anwendung, wenn ein Schaltschrankmit dabei ist. Je nach dem was für Baugruppen (Sicherungen vs. SPS usw.) enthalten sind, finden verschiedene Normen Anwendung.

    => das bedeutet für mich, dass immer verschiedene Normen auf die Konformitätserklärung drauf kommen

    Über eine kurze Stellungnahme würde ich mich sehr freuen.

    [size=19px]EDIT:[/size]
    Ich glaube ich habe das falsch verstanden gehabt. Wir müssen doch nur eine Konformitätserklärung erstellen für unsere eigenen hergestellten Geräte. Für die anderen Geräte wie z.B. eine SPS bekomme wir doch vom Hersteller dieses Dokument.
    Wenn ich das jetzt so verstehe gibt es für mich nun noch 2 Fälle.

    Fall 1, Maschine mit eigenen hergestellten Antrieben => hierzu bestätigen wir auf der Einbauerklärung dann die EMV RL und führen harmonisierte Normen auf

    Fall 2, Maschine mit fremden Antrieben => hierzu bestätigen wir auf der Einbauerklärung dann die EMV RL, müssen jedoch keine harmonisierten Normen drauf stehen haben

    Habe ich das richtig verstanden, oder tappe ich immer noch im dunkelen???

  • Hallo misterelektro1981,
    ich denke, so ist es jetzt richtig. Aber in Deinem Fall 2 musst Du die BA der fremden Antriebe mitliefern; ich würde auch die EG-KE des Original-Herstellers mitliefern.


    Kleine fiese Anmerkung <!-- s:oops: -->:oops:<!-- s:oops: -->
    - Wenn Du es so machst, hast Du noch immer keinen Rechtsanspruch darauf, dass es Dein Kunde es auch akzeptiert.....
    - Wenn Du eine Einbauerklärung nach MRL lieferst, muss da aber noch eine Menge mehr darauf stehen, so z.B. die Abschnitte des Anhang II, die Deine Maschine erfüllt (seit dem 1. Januar versuche ich, eine EE zu vermeiden und immer eine EG-KE zu erstellen; auch um das Inbetriebnahmeverbot zu umgehen).


    EE = Einbauerklärung
    EG-KE = EG-Konformitätserklärung

  • Danke für die Info.


    Aber wie kann man denn die EE umgehen? Ich dachte für eine unvollständige Maschine ist das ein muss? Oder hängt das wieder vom Kunden ab, so nach dem Motto ich erstelle eine EG-KE und wenn der Kunde das akzeptiert dann wird es wohl in Ordnung sein.

  • Zitat von "misterelektro1981"

    Aber wie kann man denn die EE umgehen? Ich dachte für eine unvollständige Maschine ist das ein muss?


    <!-- s:) -->:)<!-- s:) --> Relativ einfach, wenn man die MRL verstanden hat. <!-- s8) -->8)<!-- s8) --> Ich kann Dir nur anraten, den Leitfaden zur MRL einmal zu lesen (hat nur so 400 Seiten oder ein paar mehr oder weniger <!-- s:? -->:?<!-- s:? --> ) und grob zusammengefasst gibt es folgende Produkte, die Dich betreffen könnten:
    a. Maschinen ("echte" Maschinen mit eigener Funktion), bekommen eine EG-KE
    b. unvollständige Maschinen (sind "fast" echte Maschinen, aber keine eigene Funktion oder ... oder ... oder), bekommen eine EE
    c. Nicht-Maschinen (nach Richtlinie keine Maschinen und keine unvollständigen Maschinen, z.B. Getriebe), bekommen nach MRL nichts


    Wenn Du nun intensiv die MRL liest und interpretierst, kommst Du irgendwann an den Punkt, an die MRL erlaubt, auch Maschinen in gewissen Grenzen zu beurteilen, z.B ohne Motor, ohne Getriebe. Du beschreibst also sehr genau die Schnittstellen, an denen Deine Maschine aufhört und wenn dann die anderen Merkmale zutreffen, hast Du ruck-zuck wieder eine Maschine mit EG-KE.


    Ich habe das jetzt bewusst etwas überspitzt dargestellt, aber aus meiner Sicht ist es im wesentlichen richtig.

  • hallo,


    so bitte nicht!
    die konformität meiner maschine mit einer richtlinie wird nicht dadurch erreicht, daß ich die normen in der ke anführe, sondern indem ich -unter anderem- die entsprechenden harmonisierten- und weitere normen anwende! (so nebenbei, die anwendung von normen ist nicht zwingend. aber sie vereinfacht mir das leben).
    nur die harmonisierten (d. h. im amtsblatt der eu gelistet) normen lösen die sogenannte vermutungswirkung aus (es wird vermutet, durch die anwedung der norm(en) werden die grundlegenden sicherheitsanforderungen der richtlinie erfüllt).


    auch ist der hier beschriebene weg verkehrt. es wird nicht eine maschine gebaut und dann nach richtlinien und normen gesucht für die ke oder die einbauerklärung, sondern eher umgekehrt. stark vereinfacht ungefähr so:


    1. ich will ein produkt herstellen
    2. anwendungsprüfung: gibt es eine (mehrere) eu richtlinie, welche auf dieses produkt zutrifft?
    3. gestaltungsleitsätze beachten, risikoanalyse durchführen, sicherheitsanforderungen definieren, anzuwendende normen beachten, produkt bauen
    4. benutzerinformation (ba) und technische dokumentation erstellen
    5. konformität bewerten
    6. produkt (gegebenfalls) mit ce zeichen versehen
    7. in verkehr bringen


    in unseren fällen (ex, maschinen) bitte die richtlinien hierachie beachten.


    maschinen rl
    ?
    ex rl (? niederspg. rl darin "enthalten")
    ?
    emv rl
    ?
    evtl. weitere rl


    -prinzipiell muß für jede angewendete rl eine ke (evtl. einbauerkl. bei maschinen) abgegeben werden, dies kann auch in einem (mehrseitigen) papier erfolgen.
    -eine einbauerklärung ist für eine unvollständige maschine notwendig, nach "vervollständigung" durch wen auch immer ist anschließend die konformität zu bewerten und zu erklären. unvollständige maschinen als auch installationen (verkettete maschinen) werden ohne emv test "ausgeliefert", eine erklärung zur emv ist dennoch notwendig und vorgeschrieben (ba, dokumentation).
    -auch in der einbauerklärung sind die angewendeten normen (harmonisierte als auch nicht harmonisierte) anzuführen.
    summasumarum, der kunde weiß bescheid und hat recht. das muß ist ein muß, denn wenn keine harmonisierte normen angegeben sind kannst du gar keine konformität erklären.

    hinweis: jede richtlinie muß von jedem mitgliedsland der eu in nationales recht umgesetzt werden. im fall der masch-rl erfolgt dies in deutschland durch das geräte- und produktsicherheitsgesetz (gpsg). eine mangelhafte umsetzung einer richtlinie und damit des gesetzes kann eine ordnungswidrigkeit sein (bußgeld, nachbesserung, stillegung), eine persönliche! haftung durch schuldhaftes verhalten ist möglich (vertragliche haftung, schadensersatz, schmerzensgeld).


    grüße