Klemmenkasten U-Gerät Ex-Zertifikat

  • Hallo Forum-Freunde,


    für eine Anlage, in Ex-Zone 1, müssen wir einen Klemmenkasten zur Übergabe von Signalen usw. anfertigen.


    Verwendet werden folgenden Geräte:


    Klemmenkasten KE 9302.000 (Fab. Rit)

    IEC Ex PTB 09.0033 U / PTB 03 ATEX 1013 U

    Ex II 2G Ex eb IIC


    Kabelverschraubungen

    IECEx IBE 13.0027x

    Ex II 2G Ex eb IIC


    Reihenklemmen

    IEC DEMKO 16 ATEX 1729 U

    Ex II 2GD Ex eb IIC Gb


    In der DIN spricht man nun davon, das"...Bauteile die nur ein Bauteil-Zertifikat mit „U“ haben, dürfen nicht in einem Ex-Bereich installiert werden, außer als Teil eines Zusammenbaus von Bauteilen…, das ein „X“ einschließen kann“ (Punkt 15, Absatz 15.1 in der DIN EN 60079-14).


    Heißt das, wenn meine Komponenten eine ATEX Zulassung aufweisen, muss ich das „Gerät“ nicht neue Zertifizieren lassen oder muss ich dieses trotz der Veränderung und Einbau von Bauteilen durchführen?

    Würde eine "Erklärung" mit einer Auflistung der Komponenten mit den jeweiligen Zulassungen / BMP ausreichen?


    Vielen Dank für die Rückmeldungen!






  • Hallo Lammi,


    Deine Frage ist so nicht komplett zu beantworten, da Du uns die Bescheinigungen der Geräte nicht gezeigt hast. ;)


    Ich unterstelle einmal, das Du den Verteilerkasten für die Zündschutzart "erhöhte Sicherheit" herstellen willst... Wenn es zu dem Gerät auch eine Version mit einem nachgestellten "X" gibt, dann sollte es möglich sein - wenn innerhalb der Bescheinigung alle Rahmenbedingungen genannt sind.


    Gibt es "nur" den "U-Schein", musst Du das Gesamtgerät einer Prüfstelle vorstellen und Du wirst damit neuer Hersteller, mit Fertigungsüberwachung und allem drum herum.....


    Und noch ein Hinweis: In Deiner Liste fehlt beim Klemmenkasten und bei den Verschraubungen die Angabe des EPL. Das würde - wenn Du es so stimmt - bedeuten, dass diese Geräte noch eine "ältere Bescheinigung" haben. Bei der Kombination mit neuen Geräten (Klemmen) kommt hier dann ein Zusatzaufwand auf Dich zu.


    Und noch ein zweiter Hinweis: Bei einer Neuzulassung wird auch eine Temperaturklasse zu bestimmen sein. Dazu wird die Prüfstelle entweder einen rechnerischen Nachweis oder einen Versuch einfordern. Der Versuch wird, wenn Du keine OD 024 - Zertifizierung hast, bei der Prüfstelle gemacht.


    Fazit: Einen Verteiler mit der richtigen Bescheinigung kaufen ist meistens preiswerter. (Das soll nicht sarkastisch gemeint sein) :saint:

  • Anbei einmal die Bescheinigung.


    Der Verteilerkasten soll für die Zündschutzart "erhöhte Sicherheit" hergestellt werden. Eine Bescheinigung mit einem "X" konnte ich zur Zeit noch nicht finden.

    Allerdings ist in der Bedienungsanleitung beschrieben, wie viele Verschraubungen (inkl. Typ) an welcher Stelle eingesetzt werden dürfen. Was ist, wenn ich diese Rahmenbedingungen alle#

    Einhalte?


    Telefonisch wurde ich beraten, das eine "Erklärung" über das gesamt Gerät ausreichen würde, indem ich alle Bescheinigungen etc. zusammen fasse. Allerdings hätte das Gerät dann nur die

    "schlechteste" Zündschutzart.


    Für den nächsten Fall werden wir auch einen fertigen Verteiler beschaffen. Leider wurden vorab schon die meisten Komponenten bestellt, sodass ich mich nun mit diesem Thema befassen darf! ^^

  • Hallo,

    Ich nehme mal an der Klemmkasten soll die Bedingungen aus der DIN EN 60079-14:2014 erfüllen damit er in der Anlage installiert und betrieben werden darf. Das reicht NUR einem Betreiber des Klemmkastens in SEINER Anlage und wäre in Ordnung zur Richtlinie 1999/92/EC. Soll der Klemmkasten von einer Hersteller an einen Kunden verkauft werden, so kann man sich leider nicht alleine nach der 60079-14 richten, sondern es gelten die Anforderungen aus der ATEX-Geräterichtlinie 2014/34/EU und die verlangt für Zone 1 dann eine Einzelabnahme oder Baumusterprüfung + QM nach DIN EN 80079-36.


    Ich nehme mal, die Normenrecherche war OK und es sind die Bedingungen aus der DIN EN 60079-14 relevant:

    Die Zündschutzart soll "Ex eb" sein. Der EPL vermutlich Gb. Als recht übliche Temperaturklasse dürfte es vermutlich T4 angestrebt werden.


    Der "Zusammenbau von Bauteilen" (=Gerät) dient also lediglich der elektrischen Verbindung von rein und rausführenden Leitungen, ein waschechter Klemmkasten eben. Das Kapitel 15 mit Unterkapiteln in der DIN EN 60079-14:2014 definiert "zusätzliche Anforderungen für die Zündschutzart "e" - Erhöhte Sicherheit".


    Das sieht doch eigentlich gut aus:

    - Der Abschnitt 15.1 sagt aus, dass man in dem besonderen Fall wie hier (alles Bauteile mit U-Schein) diese im Ex-Bereich installieren darf. Es wird aber auch in 15.1 gefordert, dass man ein Gerätetypenschild mit vollständiger Ex-Kennzeichnung hat. Also, Typenschild mit der Kennzeichnung und T-Klasse nicht vergessen.


    - Zur Erwärmung sind die Abschnitte 15.2, 15.3 und 15.4 aber auch zu beachten. 15.2 bietet hier zwei Methoden wie die Klemmen nicht zu heiß werden:

    • die Klemmenherstellerangaben einhalten (Anzahl Anschlußklemmen, Leiterquerschnitt, maximaler Strom) oder
    • überprüfen ob die berechnete Verlustleistung kleiner als die Bemessungswerte der höchstzulässigen Verlustleistung ist.

    Ich würde die erste Option favorisieren, aber das hängt eben von der Leistung ab die durch den Klemmkasten geht.


    Wenn es flexibel zugehen muss (mehrere Kombinationen von Strom, Leiterquerschnitt etc.) dann muss man sich intenisv mit 15.4 auseinandersetzen.


    Um 15.3 zu erfüllen würde ich erstmal versuchen nur immer einen Leiter in eine Klemme zu führen. Für einen sauberen Klemmkasten sollte das eigentlich doch klappen.


    Un beachten Sie bitte auch, dass Anhang A Anforderungen an die Personen stellt die solche Geräte konzipieren, installieren und warten. Eine "befähigte Person" kann hier helfen.

  • Hallo Torx,

    ich weis nicht woher du die Informationen hast.

    Aber die Norm sagt aus das man U-Komponenten in einem Equipment verwenden darf wenn das Equipment (Deren Zulassung) das zulässt.

    Und das generell immer Geräte zu verwenden sind.

    Die Interpretation der Zulassungstellen ist da meist sehr eindeutig.


    Der eigenständige Zusammenbau von Komponenten ist für Zone 1 nicht gestattet.


    Gruß

  • Hallo,

    Ok, ich glaube ich habe dazugelernt:


    Das Rittal Gehäuse hat zwei Baumusterprüfbescheinigungen (Quelle: http://www.rittal.com/imf/none…9302000_Anleitung_3_262):

    Leergehäuse PTB 02 ATEX 1013U

    Klemmengehäuse PTB 02 ATEX 1014


    Der Fragesteller hat ja das "Leergehäuse" und nicht das "Klemmengehäuse", d.h. er hat eben doch nicht die Bedingungen aus der DIN EN 60079-14 §15.1 erfüllt.


    15.1 Allgemeines

    Es dürfen nur Ex "e"-Geräte (Systeme) mit vollständigem Zertifikat eingebaut werden.


    Ex "e"-Gehäuse und Bauteile, die nur ein Bauteil Zertifikat haben (mit "U" gekennzeichnet), dürfen nicht in einem explosionsgefährdeten Bereich installiert werden, außer als Teil eines Zusammenbaus von Bauteilen (im folgenden als Gerät bezeichnet), wenn die Bauteile in dem Gerät durch ein vollständiges Ex-Zertifikat zugelassen sind, dass ein "X" einschließen kann, und das Gerätetypenschild eine vollständige Ex-Kennzeichnung einschließlich der Temperaturklasse hat.


    Als Argumentation den Satz umgedreht steht dort:

    Das mit "U" gekennzeichnete Leergehäuse darf nicht in einem Ex-Bereich installiert werden, außer als Teil eines Zusammenbaus von Bauteilen, wenn die Bauteile in dem Gerät durch ein vollständiges Ex-Zertifikat zugelassen sind. Hier sind aber di verbauten Reihenklemmen nicht mit einem vollständigen Ex-Zertifikat gekennzeichnet und damit gilt diese Ausnahme leider nicht.


    Damit sollte der Fragesteller sich mit einer Prüfstelle in Kontakt setzen und dort mindestens ein Einzelabnahme anfragen oder Rittal beliefert ihn mit einem Klemmengehäuse ohne "U" das die PTB 02 ATEX 1014 bescheinigt. Vielleicht kann Rittal da auch noch was umtauschen?


    Beste Grüße!

  • Hallo Torx,


    leider verwenden wir das Leergehäuse - richtig!

    Ich denke das Klemmengehäuse ist ein vorgefertigtes Gerät von der Firma Rittal.


    Würden die verbauten Reihenklemmen ein vollständiges Ex-Zertifikat aufweisen, hätte ich eine Ausnahme? Das gleiche müsste doch mit den Verschraubungen so sein?


    Leider wurden die Klemmenkästen schon gefertigt.

  • Hallo Torx,


    Da habe ich leider schlechte Nachrichten für dich.

    Klemmen sind immer als Komponente bescheinigt.

    Und der Zusammenbau muss von einer Zulassungsstelle bescheinigt werden.

    Dir bleibt also nur eine Einzelabnahme oder (Vermutlich billiger) der kauf eines neuen kompl. Klemmenkastens.

    Anders liegt die Sache wenn du Ex i Kreise verwendest, dann kannst du den Klemmenkasten als "Simple Apparatus" klassifizieren.

    Bei Ex e Zone 1 hast du keine Möglichkeiten.


    Gruß


    Goofy

  • Hallo Lammi,


    es bleibt noch immer die Hoffnung, dass der Hersteller Dir hilft und er eine Ausführung mit X-Kennzeichnung in der Tasche hat. Schließlich hat er ja auch bisher daran verdient....

    Ggf. musst Du allerdings die Kästen in eine von ihm autorisierte Werkstatt bringen - und es ist denkbar, dass Deine Klemmen und KLE rausfliegen....

  • Momentan ist dein Fall leider eine Sackgasse geworden und nur der Hersteller des Kastens kann dir ggf. eine wirtschaftliche Lösung anbieten.


    Alternativ bleibt dir nicht viel anderes außer eine Einzelabnahme mit der Prüfstelle (Nachteil: rel. teuer und kostet Zeit, wie teuer kann man ja mal spaßeshalber anfragen) + eigenes Typenschild etc.


    Schade...