Maschinenkennzeichnung

  • Hallo liebe Mit-Exler,


    ich werde in letzter Zeit immer wieder mit Kennzeichnungen konfrontiert, die ich nicht so ganz nachvollziehen kann und sogar auch sehr gefährlich finde.

    Bei einem rein Inneren Explosionsrisiko (innerhalb einer Maschine) gilt meines Wissens nach die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, Anhang 1.5.7.

    Die ATEX Richtlinie gilt bei Maschinen und Geräten, die zur Verwendung in einem explosionsgefährdeten Bereich bestimmt sind, auch die Anmerkungen/Leitlinien schließen eine Anwendung der ATEX für rein Innere Explosionsrisiken auf die Gesamtmaschine aus (die innerhalb dieser "Zone" verwendeten Geräte müssen natürlich sehr wohl explosionsgeschützt ausgeführt sein). Einen Ähnlichen Weg ging schon die PTB im Jahr 2014 bei einem Beitrag für die Ex-Zeitschrift (Artikel). Aus meinen eigenen Erfahrungen kenne ich es ebenfalls nicht anders, bspw. Lack/Pulverkabinen für Beschichtung sind ohne Ex Kennzeichnung, obwohl im Inneren Zone 1 bzw. 2 definiert ist und die relevante C-Norm ist mit der MRL harmonisiert. Die im Inneren der Kabine verwandten Geräte sind ATEX gekennzeichnet und deren Normen sind mit der ATEX harmonisiert.


    Nun zu meinem Anliegen:

    Immer wieder finde ich nun Kennzeichnungen, die bspw. folgendermaßen aussehen:

    Ex II 3/-G, Ex h IIC T3 Gb in einem extremen Fall sogar Ex II 1/2/3/- GD, oftmals wird sogar noch eine Zertifizierung durch eine Prüfstelle suggeriert.


    In den jeweiligen BALs wird dann darauf hingewiesen, dass das Gerät nicht in einem Ex Bereich betrieben werden darf, sondern nur im Inneren eine Ex-Zone enthält. Meine Interpretation ist, dass Hersteller dieser Geräte den Explosionsschutz als Verkaufsargument "betreiben". Oftmals kaufen allerdings die Firmen diese Maschinen und stellen sie in einer Zone auf, da sie ja augenscheinlich eine entsprechende Kennzeichnung haben und wundern sich dann, dass ich dies bei Prüfung bemängele.


    Wie ist eure Meinung/Erfahrung dazu?

  • Hallo rjh,


    so ganz bekommen ich noch kein Packende an Deine Frage... :huh:


    Die Kennzeichnung mit zwei Kategorien ist zwar nicht besonders häufig, kommt aber hin und wieder mal vor; bei uns vor allem bei Pumpen. Wir verwenden jedoch eine etwas andere Schreibweise:

    • Ex II 3G/- ... oder
    • Ex II 2G/- ... oder
    • Ex II 2G/3G ... (es gibt noch einige weitere Spielarten)

    Die erste Stelle (3G) vor dem Trennstrich sagt uns die Kategorie innerhalb der Maschine, die zweite Stelle hinter dem Trennstrich (-) sagt uns die Trennstelle außerhalb der Maschine. Das kommt bei einer Pumpe durchaus häufiger vor.


    Eine Kennzeichnung

    • Ex II 1>G/- ...

    darf meiner Meinung ein Hersteller nur NACH einer EU-BMP durch eine benannte Stelle anbringen.


    Wie Du schon sagtest, gilt die ATEX streng genommen nur für den atmosphärischen Bereich - und nicht unter Druck. Hier gilt dann die MRL, es ist jedoch zu beachten, dass je nach Medium die Zündgrenzen unter Druck sehr deutlich erweitert werden können. Aber ein atmosphärischer Bereich kann auch fast immer auftreten, z.B. bei einem Fehler.


    Den Satz "...Zertifizierung durch eine Prüfstelle suggeriert" verstehe ich nicht; eine eindeutige Kennzeichnung lässt so einen Schluss nicht zu.

  • Hallo rjh,


    dieses Thema "Zone innerhalb von (unvollständigen) Maschinen" beschäftigt mich auch schon seit Ewigkeiten und ich bin immer noch nicht wirklich schlauer geworden...


    Ich habe die gleiche Meinung wie du, dass die ATEX-Richtlinie nicht gilt wenn nur innerhalb der Maschine eine Zone vorliegt, jedoch alle Geräte die innerhalb verbaut sind ATEX-Geräte sein müssen. So versteh ich zumindest die Maschinenrichtlinie. Aber hier gehen die Meinungen eben stark auseinander :/


    Ich hatte dieses Thema hier schon mal angefragt:

    ATEX ja oder nein?

  • Hallo zusammen,


    Günter, ich kenne grundsätzlich solche Kennzeichnungen auch, aber eben vor Allem bei Pumpen etc. wie du es auch schreibst, Innen Z1, Außen Z2. Nicht jedoch, wenn Außen eben keine Zone herrscht. Damit verlässt man meiner Einschätzung nach, wie oben beschrieben, den Bereich der ATEX und geht in die MRL oder übersehe ich da etwas? (Ich rede nur von Konformitätsbewertung, es ist unstrittig, dass das Innere der Maschine bzw. eingesetzten Geräte der Gefahr entsprechend ausgeführt sein müssen vgl. auch ATEX Leitlinien S.38 f.)

    "In diesem Zusammenhang muss besonders betont werden, wie Maschinen zu betrachten

    sind, die unter Betriebsbedingungen eine explosionsfähige Atmosphäre im Inneren
    aufweisen können, jedoch über keine Schnittstelle mit externen explosionsgefährdeten
    Bereichen verfügen. Derartige Maschinen fallen als integrales Ganzes nicht in den
    Anwendungsbereich der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU
    ." (Leitlinien S.39)

    Wenn diese Maschinen also als integrales Ganzes nicht in den Anwendungsbereich der ATEX fallen, dann sollten Sie doch auch nicht nach ATEX gekennzeichnet werden?

    Beim angesprochenen suggerieren wird ein Prüflabor, bspw. TÜV Süd angeführt

    EX 1/2/3/-G geprüft durch TÜV Süd. Eben keine BMP oder Ähnliches. Ich kann mir nur vorstellen, dass der TÜV bspw. die Zündquellenanalyse o.ä. für den Innenraum überprüft hat. Es gibt jedoch keine Zertifikate, keine BMP, nichts.


    @Marina , sorry, ich hatte deinen Beitrag nicht gesehen, sonst hätte ich keinen neuen eröffnet :-) Aber zumindest bin ich schon mal nicht der Einzige, der damit Probleme hat!

  • Hallo rjh,


    ich habe mit der "Nichtkennzeichnung" eines Betriebsmittels, welches eine interne Zone aufbauen kann, ein Problem. Und auch gerade bei Pumpen ist sehr einfach erkennbar.


    Beispiel: Wir haben eine Pumpe, die Benzin fördert, aber nicht in einer Ex-Zone aufgestellt wird.


    Diese bekommt nach unserer Lesart die Kennzeichnung Ex II 3G/- Ex h IIB T4 Gc/- und zwar wegen einer möglichen ex-fähigen Atmosphäre beim An- und Abfahren; ggf. auch mal kurzzeitig während des Betriebs.


    Hier ist für eine befähigte Person oder auch einen Prüfer klar und deutlich dargestellt, dass bei dieser Maschine eine innere Zone 2 auftreten kann und das im Normalbetrieb mit einer Zonenverschleppung nicht zu rechnen ist. Und den 5.2.4 aus der EN 80079-36 wende ich wegen einer meist nicht ausreichenden Sicherheit gegen Zonenverschleppung auch bei Kat. 3 - Geräten an (machen auch einige benannten Stellen so).

    Da überlege ich mir dann, was geschehen kann, wenn Benzin austritt (Versagen einer Dichtung, Bruch eines Flansches, etc. - da meist die Anforderungen an ein dauerhaft technisch dichtes System nicht erfüllt werden).


    Und ohne Kennzeichnung hätte ich als die befähigte Person vor Ort überhaupt keine Ahnung, das da so eine kleine nickelige Pumpe steht. Ja, Du hast Recht, es muss im Explosionsschutzdokument enthalten sein - das kenne ich aber nicht immer auswendig. ;)

  • Guten Morgen,


    eine Kennzeichnen der Maschine auf dem Typenschild kann mir ja eigentlich keiner verbieten.

    Durch die Kennzeichnung z.B. Ex II 2/- D.... zeige ich, dass innerhalb der Maschine die Zone 21 vorliegt und meine innerhalb verbauten Sensoren usw. dafür ausgelegt sein müssen.

    Was man jedoch meiner Auffassung nach NICHT darf, ist auf der Maschine eine CE-Kennzeichnung anbringen

    (ausser sie ist konform mit anderen RL z.B. vollständige Maschine nach Maschinenrichtlinie etc.)


    Aber wie schon oben geschrieben, da gehen die Meinungen weit auseinander :argue:

  • Guten Morgen zusammen,


    @ Günter, ich schreibe bei einer rein Innen vorliegenden Explosionsgefahr dieses in die BAL (bestimmungsgemäße Verwendung) und weise darin ebenfalls auf ggf. Innen verbaute ATEX-Bauteile hin. Wie bereits oben gesagt, die EN 16985 "Lackierkabinen für organische Beschichtungsstoffe - Sicherheitsanforderungen; Deutsche Fassung EN 16985:2018" spricht bspw. von innenliegenden Zonen, welche in ihr sogar räumlich genau definiert werden, die Norm ist aber mit der MRL harmonisiert und es wird KEINE Kennzeichnung angebracht.

    Ich kann nur nochmals auch auf den Artikel der PTB in der EX Zeitschrift verweisen, den ich oben angehängt habe.


    Merina, ich bin mir da nicht so sicher, wenn ich eine Kennzeichnung nach 2014/34/EU (also ohne den IEC Ex Teil mit Zündschutzart etc. ) anbringe, dann muss ich auch ein CE anbringen, da dies Teil der vollständigen ATEX CE Kennzeichnung nach RL ist. Eine "unvollständige Maschine" (ohne Anbringen eines CE) kennt die ATEX nicht, entweder ein Produkt unterliegt ihr, dann ist eine Kennzeichnung inkl. CE anzubringen, oder ein Produkt unterliegt ihr nicht, dann ist weder eine Kennzeichnung, noch ein CE nach ihr anzubringen (2014/34/EU Anhang I 1.0.5)