Anschlagketten

  • Hallo zusammen,


    ich weiß nicht, ob ich jetzt im richtigen Unterforum gelandet bin. Wenn nicht, hoffe ich, dass ein Admin es an die richtige Stelle schiebt ;-).


    Ich versuche grade Anschlagketten nach DIN 818 nach ATEX Richtlinie einzuordnen um sie am Ende zu bewerten.
    So wie ich mich mittlerweile eingelesen habe, handelt es sich nur im Sinn der Maschinenrichtlinie um eine Maschine, aber nach ATEX -Richtlinie müsste es sich um eine Komponente handeln, da sie eigenständig keine autonome Funktion ausführen kann. In diesem Zustand geht auch keine Gefahr von ihr aus, sie hat keine eigene Zündquelle.
    Hier stellt sich mir die Frage, ob ich sie überhaupt bewerten muss, da hiervon erst einmal keine Gefahr ausgehen kann. Es also ein "einfaches" Produkte ohne eigene Zündquelle ist und sie somit gar nicht unter die Atex - Richtlinie fallen kann? Im Leitfaden zur Richtlinie finden ich leider keinen hilfreichen Hinweis.
    Meine Vermutung ist, dass ich sie nur als eine in ein Produkt eingebaute Komponente bewerten muss. Dann müsste die Bewertung einzig durch den Hersteller des Produktes erfolgen. Der dann auch die Art und Ausführung der Anschlagkette definieren muss ? Da ich, wenn ich nur die Kette betrachte, keine Klassifizierung durchführen kann.

    Ich hoffe das war jetzt nicht verwirrend - aber so wirr sich auch meine Gedanken hierzu aktuell.
    Sind meine Gedankengänge richtig ? Oder bin ich auf dem falschen Pfad ??


    Ich hoffe, jemand von euch kann mir das Dunkel aufhellen ;).


    Danke !


    Ralf

  • Hallo Ralf,


    herzlich Willkommen bei uns im Ex-Forum!


    Ich kann nur kurz Stellung nehmen, bin zur Zeit auf einer Dienstreise....


    Ich würde zunächst einmal (ich kenne Deine Anschlagketten und die technischen Daten dazu nicht) diese Produkte als "Bauteil" bezeichnen. Im Leitfaden werden ähnliche Produkte auch als "sonstige Produkte" beschrieben.


    Im §46 des aktuellen Leitfadens zur Richtlinie 2014/34/EU findest Du einen Abschnitt zu Komponenten, der mir zumindest auch zeigt, dass es keine Komponenten sein können; hier mal das Zitat:


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    Beispielsweise werden Antriebsriemen, Lager, mechanische Dichtungen, Z-Dioden usw. üblicherweise nicht mit der ausdrücklichen Absicht in Verkehr gebracht, in Geräte, Schutzsysteme oder Vorrichtungen gemäß Artikel 1 Absatz 1 Buchstabe b eingebaut zu werden, sondern für allgemeine technische Zwecke. Ihre Konformität (d. h. ihre Eignung für den bestimmungsgemäßen Zweck in Bezug auf die Sicherheit des Produkts, in das sie eingebaut sind) muss im Zuge der Konformitätsbewertung des gesamten Produkts beurteilt werden.

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  • aus welchem Material besteht die Kette denn?

    An sich besitzt die Kette ja keine Zündquelle, es sei denn sie wird elektrostatisch aufgeladen oder mit ihr auf Metall geschlagen.

    Müssen solche Bauteile eine Atex Zulassung erhalten?

  • Vielen Dank für die Informationen und die freundliche Aufnahme ;->.


    Zum einen: Die Kette besteht aus hochfestem Stahl. Da sie aber für sich selbst über keine eigenständige Funktion verfügt, hat sie auch keine eigene Zündquelle. Diese habe erst bei Einbau in ein Hebezeug oder beim Anschlagen an einen Kran. Hier besteht dann die Gefahr z.b. von Funkenbildung bei fehlerhaften Nutzung.


    Wenn ich Günthers Beitrag richtig interpretiere, entspricht dies auch einem meiner Gedankengänge:

    "...Ihre Konformität (d. h. ihre Eignung für den bestimmungsgemäßen Zweck in Bezug auf die Sicherheit des Produkts, in das sie eingebaut sind) muss im Zuge der Konformitätsbewertung des gesamten Produkts beurteilt werden..."

    Die Kette ist einzeln nicht bewertbar. Sie muss als Teil eines Produktes bewertet werden. Damit muss auch die Spezifikation für diese Kette durch den Hersteller des Produktes erfolgen. Er muss dann über die Spezifikation sicherstellen, dass die Konformität des Produktes sichergestellt ist. Und muss muss mir keine Gedanken machen. So würde ich es jetzt interpretieren.


    In der Praxis kommen aber trotzdem Kunden die auf bestimmt Umgebungsbedingungen verweisen und dann dafür eine Anschlagkette möchten. Wie würde ich dann damit umgehen - denn eigentlich möchten wir am Ende etwas verkaufen (sagt unser Vertrieb ;-)) und wenn möglich dem Kunden helfen.

  • In der Praxis kommen aber trotzdem Kunden die auf bestimmt Umgebungsbedingungen verweisen und dann dafür eine Anschlagkette möchten. Wie würde ich dann damit umgehen - denn eigentlich möchten wir am Ende etwas verkaufen (sagt unser Vertrieb ;-)) und wenn möglich dem Kunden helfen.

    Das kann ich Dir auch nicht sagen, denn es ist wohl unmöglich, alle Anwendungsfälle vorherzusehen.


    Du könntest allerdings eine Muster-Bewertung für einen Anwendungsfall durchführen - aber so etwas habe ich in der Praxis bisher noch nicht gefunden. Du würdest damit viel Know-how preisgeben....

  • Hallo RalfAb,

    Du könntest z.B. eine Bewertung nach EN 80079-36:2016 Nicht-elektrische Geräte durchführen. Die Kette wäre dann eine Komponente ohne Kennzeichnung. Basierend darauf ließe sich eine ATEX-Konformität, z.B. für Zone 1, erklären. Dafür müssten nur die techn. Unterlagen der Bewertung bei einer benannten Stelle hinterlegt werden.

    Viele Grüße,

    Falk