Oberflächentemperatur (T6) -20°C ... 65°C

  • Hallo,

    Ein BMP (ATEX/ IECEx) Endschalter (mit vergossenem Kabel) soll durch ein Gehäuse mit ATEX Kabelverschraubung geführt werden.

    Das Gehäuse verdeckt den Endschalter. Zündschutzart des Endschalters: Ex db IIC Gb T6,T5 Ta= (T6) -20°C … 65°C max 100mA/max 30V Leitungslänge: 4m

    Was bedeuten die 65°C?


    Ein anderer Artikel hat die gleiche Zündschutzart, lediglich (T6)-20°C ...55°C/5A...60°C/3A...65°C/1A!

    Ausserhalb vom Gehäuse sollte m.E. nicht nur Erkennbar sein was im Gehäuse ist, sondern welche Temperaturklasse/Oberflächentemperatur das Gehäuse von außen mit dem elektrischen Bauteil verträgt. Gibt man dann eine 1:1 Kennzeichnung an z.B. (T6)-20°C ...55°C/5A...60°C/3A...65°C/1A?

    Danke für Hinweise!

  • Hallo


    Die 65°C bedeuten das dein Gerät bei einer Umgebungstemperatur von -20°C bis 65°C die Temperaturklasse T6 (maximale Erwärmung des Grätes auf 85°C Oberflächentemperatur) erfüllt wenn auch die anderen Bedingungen eingehalten werden (max 100mA/30V/4m Leitungslänge). Wird eine der Bedingungen nicht eingehalten fällt die Temperaturklasse auf T5 (maximale Erwärmung des Geräts auf 100°C Oberflächentemperatur) zurück.


    Ich sehe aber da aber möglicherweise noch ein anderes Problem auf dich zukommen. Du schreibst das du das Gerät in ein Gehäuse einbaust, das kann problematisch werden bei Ex d Geräten mit Flachspalten, da zu den Spalten bezogen auf die Explosionsgruppe ein gewisser Mindestabstand eingehalten werden muß. Wieviel kannst Du in der Tabelle 13 unter Punkt 14.2 in der Norm DIN EN 60079-14 nachlesen. Zum Beispiel wenn du das Gerät entsprechend seiner Zündschutzart in Explosionsgruppe IIC einsetzen willst muß der Abstand mindestens 40mm zum nächsten HInderniss sein. Ich würde an deiner Stelle den Hersteller des Gerätes kontaktieren und klären ob euer Montageaufbau so zulässig ist.


    Gruß

    Christian

  • Hallo Fuchs,


    dass Du einen druckfesten Endschalter nicht so ohne weiteres in ein Gehäuse einbauen kannst, hat MIX ja schön dargestellt. Es kann durchaus sein, dass für Deine Anordnung neue Zündprüfungen erforderlich werden und Du dann der Hersteller wirst (mit allen Konsequenzen).


    Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass in einem "Umgehäuse" die innere Lufttemperatur höher sein wird, als die max. Umgebungstemperatur außerhalb des Gehäuses - dieses hast Du dann ebenfalls zu berücksichtigen.

    Somit kannst Du auch nicht die Temperaturkennzeichnung des Herstellers direkt auf Dein Außengehäuse übertragen, sondern das in der Betriebsanleitung klären. Je nach Sichtweise kann auch dieses eine neue Zulassung des neuen Betriebsmittels notwendig machen...

  • Hallo und schon mal ein Dankeschön.

    Ein paar Infos:

    Das Alugehäuse (Magnesiumgehalt kleiner 7,5% - belegt durch Abnahmeprüfzeugnis)

    Ein Druckausgleichselement lässt einen Temperaturaustausch mit der Umgebungstemperatur zu!

    Lt BMP gibt es scheinbar zulässige Umgebungs-/Oberflächentemperaturen von:

    (1) MAX -60 °C ≤ Ta ≤ +75 °C (T6)

    (1) MAX -60 °C ≤ Ta ≤ +90 °C (T5)

    Mit Fußnote (1): "Type depending values"

    Im Angebotsschreiben bzw im Lieferschein sind die o.ä niedrigeren Temperaturen 55°C-65°C angegeben und gleichzeitig Strom und Spannung in kleineren Grenzen gesetzt.

    Ich würde jeweils die kleinsten Belastungswerte als maximal zulässig ansetzen wollen, um eine möglich theoretische Überbelastung verhindern oder ausschließen zu wollen.

    Ist das eine komplizierte Materie!

  • Zum Thema Druckausgleichselement habe ich eine Anmerkung:

    Wir haben mit einem Druckausgleichselement in Form eines Klimastutzens versuche zum Gasaustausch im Inneren eines Gehäuses gemacht und waren ernüchtert.

    Testsituation war: Gehäuse geflutet mit 100% CH4, feststellen wollten wir die Abklingzeit bis Verdünnung unter LEL. Rein über Ausgleichsstutzen war das nicht zu bewerkstelligen. Unsere Stutzen haben im Inneren eine Membrane, die wenig luftdurchlässig ist. Folglich findet fast kein - bis kein Austausch des Inneren mit der Umgebung statt, wenn im Inneren kein Überdruck oder Unterdruck herrscht.

    Für dich bedeutet das, dass so ein Stutzen in Form eines Klimastutzens keine Belüftung im Temperatursinne ist und nur für Druckausgleich sorgt.

  • Hallo Fuchs,

    es gibt Hersteller für Ex-Gehäuse, die Geräte intregieren können, also auch deinen Endlagenschalter. Abhängig von der Verlustleistung können einige die Hersteller die zusätzliche Eigenerwärmung bestimmen und entsprechend bei der Ex-Kennzeichnung berücksichtigen (insb. Exd-Gehäuse). Ta max wird dadurch eingeschränkt, wie von Günter schon festgestellt. Da der Endlagenschalter bereits ex-geschützt ist, könnte ein Exe-Gehäuse passend sein. Diese sind i.d.R. einfache Klemmenkästen und nicht so mächtig, wie Exd-Gehäuse.

    Viele Grüße,

    Falk

  • falcone Der Endlagenschalter muss ja noch betätigt werden. Das ein Hersteller genau so ein ATEX bzw IECEx Gehäuse zugelassen hat, wage ich mal zu bezweifeln.

    Für mich tun sich aber z.Zt. ganz andere Fragestellungen auf:

    Ich habe eine Baumusterprüfbescheinigung und eine Konformitätserklärung. Bis dato hatte ich in der Konformitätserklärung die Zündschutzart entnehmen können.

    Bei der aktuellen Erklärung finde ich die Zündschutzart (mit ihrer Kennzeichnung) nur noch über die Baumusterprüfbescheinigung. Ist das so in Ordnung?

  • Hier mal die EU-BMP. Zu dem Gehäuse (nicht elektrischer Part) möchte ich möglichst datensparsam sein.

    Berücksichtigt werden muß mind. nachfolgende Norm.

    • EN 80079-36:2016 Explosionsfähige Atmosphären – Teil 36: Nicht-elektrische Geräte für den Einsatz in explosionsfähigen
      Atmosphären – Grundlagen und Anforderungen
    • und ggf.
    • EN 80079-37:2016 Explosionsfähige Atmosphären – Teil 37: Nicht-elektrische Geräte für den
      Einsatz in explosionsfähigen Atmosphären – Schutz durch konstruktive Sicherheit „c“, Zündquellenüberwachung „b“, Flüssigkeitskapselung „k“

    wobei letztere Norm für mich fraglich ist, ob die Verwendung von Aluminium mit Magnesiumgehalt kleiner 7,5% - belegt durch Abnahmeprüfzeugnis schon für sich betrachtet eine "konstruktive Sicherheit"

    bedeuten soll.

  • falcone der link führte mich bedauerlicherweise in eine Sackgasse. Aber egal!

    Ich zitiere mal aus der übersetzten Leitlinie:

    4. Gegenstand der Erklärung (Bezeichnung des Produkts zwecks Rückverfolgbarkeit: nötigenfalls kann zur Identifizierung des Produkts ein Bild hinzugefügt werden)

    Beschreibung des betreffenden Produkts: Hierbei könnte es sich um eine beschreibende Produktbezeichnung handeln, z. B. Motorsteuerungseinheit der Bauart ABC 123, sowie die bestimmungsgemäße Verwendung.

    Für eine Baugruppe sollte sie die Teile in der Baugruppe auflisten, die eigenständige ATEX-Geräte sind und separat beurteilt wurden. Die Angabe aller relevanten Bestimmungen, die das Gerät erfüllt, würde auch die auf dem Produkt angebrachten Kennzeichnungen beinhalten, z. B. Gerätegruppe II, Kategorie 2 G (IIB T4).

    Ergo müßte die Zündschutzart/Kennzeichnung auch aus der Konformitätserklärung abzuleiten sein, oder?