Wicklungen in Vergusskapselung

  • Hallo zusammen! Da ich in diesem Forum neu bin, zunächst eine kurze Vorstellung. Ich bin seit einem halben Jahr bei einem neuen Arbeitgeber als Elektroingenieur tätig. Zu meinem neuen Aufgabengebiet gehört auch die Verantwortung für die Entwicklung und Begleitung der Herstellung von Ex-geschützten Elektromagnetantrieben. Mit dem Thema Ex-Schutz hatte ich in meiner vorherigen Berufspraxis keinerlei Kontakt, es handelt sich also für mich um absolutes Neuland. Leider bin ich in meiner Firma auch der Einzige der sich mit diesem Bereich befasst, quasi der Einäugige unter den Blinden. Ich habe mich in den letzten Monaten ausgiebig dem Studium der für unsere Produkte relevanten Normen gewidmet. Aber wie man sich vorstellen kann wirft die Praxis oftmals Fragen auf, die ich mir auch nach 30-maligem Durchlesen nicht selber fundiert beantworten kann.


    Und damit komme ich zu meinem eigentlichen Problem: In Abschnitt 7.2.2 der IEC 60079-18 werden als Bauelemente, die als nicht störanfällig betrachtet werden, Wicklungen ,die der IEC 60079-7 entsprechen, aufgeführt.

    Die letztgenannte Norm beinhaltet dazu den Abschnitt 4.7 "Wicklungen". Dort gibt es einen Unterabschnitt 4.7.3 "Wicklungstränkung" in dem, nach meinem Verständnis, ausgeführt wird, wie eine Wicklungstränkung auszuführen ist, jedoch nicht, warum diese erfolgen soll. Auch finde ich keine Anforderung, die besagt, dass eine Wicklung nach IEC 60079-7 getränkt sein muss.


    Daraus ergibt sich also die Frage: Erfordert eine Wicklung in Zündschutzart "eb" zwingend eine Wicklungstränkung? Und sollte/muss eine vergussgekapselte Wicklung dann ebenfalls vor dem Verguss getränkt werden?

  • Versuch einer Antwort, da es hier im Forum wenig Resonanz zu geben scheint (nicht überraschend in der momentanen Situation wg. Covid19): ich gehe mal davon aus, du willst eine Wicklung vergießen und damit einen Explosionsschutz nach Zündschutzart Ex m für die Wicklung erzielen. Die Norm IEC 60079-18 wird dazu einige Voraussetzungen beschreiben, die für die Wicklung notwendig sind, da nicht jede Wicklung zum Vergießen geeignet sein wird. Ich nehme an, dass Tränkung der Wicklung nur eine techn. Maßnahme ist, um z.B. die Isolation o.ä. bei Wicklungen sicherzustellen. Um getränkte Wicklungen sicher vergießen zu können, müssen Anforderungen an die Tränkung erfüllt sein, wie sie z.B. in IEC 60079-7 beschrieben sind. Wäre die Wicklung nach IEC 6079-7 bereits explosionsgeschützt (also Ex e), wäre kein weiterer Schutz nach Ex m notwendig. Würde daraus erst einmal nur schließen, dass es Ex-Anforderungen an getränkte Wicklungen gibt, falls man diese vergießen will. Im Umkehrschluss, wenn keine Tränkung vorliegt, gelten auch keine Anforderungen diesbzgl. (sicher aber noch andere gem. Norm: Eigenerwärmung, Überhitzung Fehlerfall etc.). Dazu müsste man sich noch mal den genauen Wortlaut der Norm ansehen bzw. bei einer Zulassungsstelle nachfragen. Ggf. ist die inhaltlich identische Fassung DIN EN 60079-18 da noch am einfachsten zu lesen und zu verstehen.

  • Noch ein Aspekt fällt mir dazu ein: Wenn ihr Ex-Komponenten produzieren wollt, seid ihr Hersteller der Komponenten mit allen Pflichten die dazu gehören. Je nach Zone sind das mehr oder weniger.

    Ihr solltet euch über die gesetzliche Lage dazu informieren und die Voraussetzungen schaffen um überhaupt Ex-Komponenten bauen zu dürfen. Wenn etwas passiert ist das Drama dann groß, wenn keiner an die Pflichten als Hersteller gedacht hat. Im schlimmsten Fall haftet dann der oberste Vorgesetzte.

  • Zunächst einmal bedanke ich mich für die bisherigen Antworten und möchte darauf eingehen.


    falcone: Ich vermute im besagten Abschnitt der DIN EN 60079-18 eigentlich keine Anforderung für den Verguss von Wicklungen, sondern einen Fehlerausschluss: Entspricht die Wicklung der IEC 60079-7, dann ist sie nach dem Verguss als nichtstöranfällig zu betrachten. Aber welche Konsequenz hat das für die Bewertung einer solchen, vergossenen Wicklung? Welche Fehlerausschlüsse kann ich machen bzw. welche Fehlermöglichkeiten muss ich in Betracht ziehen, wenn sie beispielsweise nicht vor dem Vergießen getränkt wurde?


    Mario: Da gibt es an sich kein Problem, unsere Ex-Geräte sind bereits baumustergeprüft und das Unternehmen auch nach DIN EN 80079-34 zertifiziert. Nur möchte man ja von Zeit zu Zeit auch neue Dinge entwickeln oder vorhandene Produkte verbessern.

  • Hallo Uniraverr,


    zunächst einmal herzlich Willkommen bei uns im Ex-Forum!


    Ich weiß nicht so genau, ob Dich (oder mich :) ) der Normentext ev. verwirrt.....


    A. Eine Wicklung, die nach 4.7 der EN 60079-7 ausgeführt ist, gilt auch in der EN 60079-18 als nicht störanfällig.


    B. Eine Wicklung, die nicht nach 4.7 der EN 60079-7 ausgeführt ist, muss den kompletten Anforderungen der EN 60079-18 genügen. In 7.4.2 der 79-18 gibt es einen Hinweis, der ist aber nicht "einzeln" zu betrachten.


    C. Es ist schwer zu verstehen, ob der 4.7.3 der EN 60079-7 (Wicklungstränkung) auch unter der Ägide der 79-18 zu erfüllen ist. Ich hatte so etwas schon mehrfach; mal hat es die Prüfstelle gefordert, in einem anderen Fall konnte ich das Schutzziel auch mit dem nachträglichen Verguss und Drähten nach IEC 317 Grad 2 erfüllen.

    Nach meiner Erfahrung läuft es auf eine Einzelfallprüfung durch die Prüfstelle heraus.

  • Hallo zusammen!


    @all:

    Erst einmal hoffe ich, dass es allen in der aktuellen Situation gesundheitlich gut geh!


    Uniraverr:

    Erst einmal generell:

    Die Erhöhte Sicherheit und die Vergusskapselung sind Zündschutzarten mit 2 unterschiedlichen Schutzmechanismen.

    In der Erhöhte Sicherheit "Ex e" sind alle Bauteile so ausgelegt, dass sie im Normalbetrieb als auch bei vorhersehbaren Fehlerfall keine Zündquelle darstellen.

    Bei der Vergusskapselung "Ex m" werden die Bauteile, die eine potentielle Zündquelle darstellen können, in einem mit einer für diesen Anwendungszweck geeigneten Vergussmasse vergossenen Gehäuse betrieben.

    Bezogen auf deine Frage bedeutet das konkret,

    dass eine Wicklung, die der Erhöhten Sicherheit Zündschutzniveau "eb" entspricht, auch nach EN/ IEC 60079-7, Abs. 4.7.3 getränkt sein muss, um Kurzschlüsse innerhalb der Wicklung auszuschließen, und

    dass eine Wicklung in der Vergusskapselung nicht die zulässige Temperatur der Vergussmasse überschreitet darf und nur getränkt sein muss, wenn sie als nicht störanfällig nach EN/ IEC 60079-18, Abs 7.2.2 betrachtet werden soll. Wenn die Wicklung unter Anwendung eines für "mb" oder zwei für "ma" zählbaren Fehlern die zulässige Temperatur der Vergussmasse (z.B. durch Verwendung von Temperatursicherungen) nicht überschreitet, ist dies bei Ex m auch zulässig.

  • Ich bedanke mich nochmals für die Antworten. Zusammenfassend stelle ich einen gewissen Konsens darüber fest, dass für das Zündschutzniveau "eb" eine Wicklungstränkung gefordert ist. Obschon ich dies, wie eingangs erwähnt, aus der Formulierung der IEC 60079-7, Abs. 4.7.3 nicht herauslesen kann, werde ich es als Faktum akzeptieren und entsprechend umsetzen.


    Bleibt alle gesund in dieser Zeit!