Systemverteiler Zone 2

  • Hallo :-)


    Ich habe da mal eine frage. Wir sollen einen kleinen Systemverteiler für eine Firma bauen nach ATEX 2.

    Inhalt dieses Verteilers ist eine Standard Wago SPS, 1x Netzteil 24V DC, 1x Elektronische Sicherung und Reihenklemmen. Alles von Wago.

    Installiert werden soll in Zone 2. Die SPS selbst hat eine ATEX Zulassung. Das Netzteil und die elektronische Sicherung jedoch nicht. Für das Netzteil gäbe es von Wago auch eine Alternative (Kostenfrage).

    Für die elektronische Sicherung jedoch gibt es keine alternative.


    Alle Leitungen werden fest eingeführt.

    Würde bei Zone 2 nicht auch einfach ein entsprechendes Gehäuse und Verschraubungen reichen? Und innen dann normale Komponenten.


    Hoffe jemand kann mir dazu etwas sagen.


    Vielen Dank im vorraus.

  • Hallo Wolff Steuerungstechnik,


    zunächst einmal herzlich Willkommen bei uns im Ex-Forum!


    Grundsätzlich müssen ALLE elektrischen Betriebsmittel der Zone 2 (dazu zählen auch mögliche Umgehäuse) eine Freigabe (i.d.R. eine Bescheinigung) für den Einsatz unter EPL Gc haben!

    Der kleine, aber feine Unterschied zu Geräten in der Zone 1 ist, dass die "Bescheinigung" durch den Ersteller der Anlage selbst - sowie er die notwendige Erfahrung, Ausbildung und Normenkenntnis hat (er ist eine "befähigte Person") gemacht werden kann.


    Für Deine kleine Anlage gilt, dass Du zunächst einmal die Zündschutzart und die weiteren Rahmenbedingungen definieren musst, hier z.B. Ex ec IIC T4 Gc.


    Danach kannst Du ein Bauteil nach dem anderen untersuchen, ob es ggf. schon eine gültige Bescheinigung hat - oder von Dir selbst bewertet werden muss. Achtung: Bei einer Eigenbewertung z.B. des Netzteils wirst Du automatisch Hersteller - mit allen Pflichten!


    Anschließend ist der Zusammenbau, der IP-Schutz, die Erwärmung (nur um einmal die notwendigsten Punkte aufzuzählen) zu bewerten.


    Ist das alles erfolgreich dokumentiert und abgeschlossen, musst Du Dein Typenschild anbringen und die Unterlagen für eine ev. Prüfung durch eine benannte Stelle (wenn es ein Ereignis gibt) für min. 10 Jahre nach dem Inverkehrbringen aufbewahren.

    Und nicht vergessen: Für die Ingenieurhaftung gibt es kein Verfallsdatum; je nach Schwere kann es bis zum Tod des Verantwortlichen reichen....

  • Hallo Günter,


    vielen Dank für die umfangreiche Antwort. Da ich leider nicht weiß wo die Anlage/der Verteiler montiert wird und der Auftrag über einen dritten kommt und dieser mir die gewünschte Zündschutzart auch nicht mitteilen kann, weiß ich also so richtig nicht weiter.

    Eigentlich kann ich ja dann nur die finger davon lassen.


    Die Bauteile haben von Wago direkt alle eine Ex Zulassung. Nur die elektronische Sicherung hat keinen Nachweiß.

    Da mir weitere Rahmenbedingungen nicht bekannt sind und wir sonst mit Ex-Schutz eher weniger zu tun haben, können wir kaum etwas bauen worüber wir letztendlich keine weitere Kenntnis haben.


    Viele Grüße

    Daniel

  • Hallo Daniel,


    leider hast Du hier recht.


    Ein Einzelgutachten eines Sachverständigen, dass dieses Gerät komplett abdeckt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit unwirtschaftlich. Es lohnt sich meist immer erst bei einer Kleinserie deutlich über 25 St..


    Aber einen Weg gibt es noch: Das Gerät mit allen Innereien, fix und fertig verdrahtet, bei einem der üblichen Verdächtigen aus dem Ex-Zuliefererbereich kaufen (mit Typenschild und EU-Konformitätsaussage, sowie Schaltplan und Betriebsanleitung).

    Aber auch hier aufpassen: Schon das Einbringen einer zusätzlichen Leitungseinführung kann die Zulassung aufheben - muss aber nicht. Das wäre Verhandlungssache mit dem Lieferanten.

  • Hallo Günter,


    Danke für deine Mühe. Da es sich tatsächlich nur um ein Einzelstück handeln soll macht es wirtschaftlich keinen Sinn. Ich möchte auch nicht etwas bauen, das im zweifel zu Problemen egal welcher Art führt.


    Viele Grüße

    Daniel

  • Hallo Daniel,

    Schutz durch Gehäuse trifft eigentlich nur für die Zündschutzart Ex d zu (bei explosionsfähiger Gasatomosphäre, für Staub Ex t). Diese hat eine Eignung für Zone 1. Das Gehäuse ist druckfest ausgelegt für max. auftretenden Explosionsdrücke, damit entsprechend robust. Bei Geräten für Zone 2 greift i.d.R. eine einfachere Zündschutzart (Ex ec bzw. Ex n). Diese berücksichtigt nicht das Gehäuse, sondern alle potenziellen Zündquellen und heiße Oberflächen aller elektronischen Bauteile (Gehäuse quasi offen gegen explosionsfähige Atmosphäre angenommen). Klemmen, Netzteile und viele andere Komponenten bekommt man für Zone 2, auch Sicherungen z.B. von Fa. Stahl sind mir bekannt. Daraus lässt sich ein Gerät für Zone 2 zusammenstellen, mit den Voraussetzungen, die Günther genannt hat (Ex-Bewertung, Herstellererklärung, Typenschild etc.).

    Viele Grüße

    F.