Reinigungsarbeiten mit Isopropanol 70%

  • Hallo zusammen,

    Wenn an einem Arbeitsplatz ohne Absaugung alle 30 Minuten in einem 100m3 Raum mit 2 Fenstern, die auf Kipp stehen, ca. 5 ml Isopropanol 70% zum Reinigen von Arbeitsmtteln und Arbeitsflächen verwendet wird,

    Müsste ich das als Zone 2 deklarieren??

    In meinen Augen würde ich das als "Keine Explosionszone" definieren.

    Wie seht ihr das und mit welcher Begründung würdet ihr es als Zone 2 bzw. "Keine Explosionszone" definieren.


    Viele Grüße

    Lernphase

  • Hallo Lernphase,


    zunächst einmal ein herzliches Willkommen bei uns im Ex-Forum!


    Ein gut gemeinter Hinweis: :) Als erstes solltest Du einmal in die Suchfunktion "verdunst*" ohne die Anführungszeichen angeben. Da kommst Du schon zu vielen Beiträgen, die ähnlich gelagert sind.


    Wenn das noch nicht weiterhilft, bleibt Dir aus meiner Sicht folgender Weg:

    - Du musst die Durchlüftungmenge, z.B. 5 m³ pro Stunde, für Deinen Raum festlegen. Ist nicht ganz einfach, aber mit einem Anemometer und einer geschickten Absperrung (z. B. nur das Fenster ist offen und eine Tür mit bekanntem Querschnitt) sollte das relativ leicht möglich sein.

    - Dann musst Du die Zeit ermitteln, in der die 100 ml Schnaps bei der üblichen Umgebungstemperatur verdunsten

    - In Verbindung mit diesen Größen kannst Du dann die Konzentration in Deinem Raum errechnen.


    Sollten Dir sehr empfindliche Messgeräte zu Verfügung stehen, kannst Du ggf. auch die Konzentration an verschiedenen Stellen im Raum messen.

  • Hallo Günter,


    also es handelt sich um ein 50 m² Raum mit einer technischen Raumlüftung von 250 m³/h (100 % Frischluftanteil)

    gehen wir mal von Worst Case aus, dass von den 100 ml Isopropanol alles innerhalb von einer Stunde verdunstet.


    Wie sieht die Formel aus, um zu berechnen, dass man sich unterhalb bzw. oberhalb der UEG befindet?

  • Hallo lernphase,


    machen wir zunächst einmal einen überschlägigen Ansatz ohne genaue Berechnung. Einige Punkte sind allerdings wichtig; ich nutze die Daten des Stoffes nach CAS 67-63-0 (ist angehängt):

    - UEG: 2 Vol % -> 50 g/m³

    - OEG 13,4 Vol % -> 335 g/m³

    - Der Dampf ist schwerer als Luft und wird sich weitgehend am Boden ausbreiten (Faktor 2,07)


    Und nun zur Faustformel:

    - Wenn Flüssigkeit verdampft, wird sich das Volumen ca. auf das 200fache ausdehnen.


    Das würde hier ergeben:

    - 0,1 l Flüssigkeit ergeben 20 l Gas

    - da die UEG 2 % ist, werden daraus 1.000 l zündfähiges Gemisch


    Nun hast Du ermittelt, das sich die Menge Flüssigkeit in einer Stunde vollständig verdampft. Das würde zu einer Rate von ca. 17 l /min führen.


    Da hast berichtet, dass der Raum mit 250 m²/h gespült wird, das wären ca. 4,2 m³/min.


    Nehmen wir mal an, das ca. 50 % Deiner Luftmenge zur Verdünnung des Gasgemisches dienen; in der Praxis kann es wesentlich mehr sein, aber ggf. auch weniger. Das musst Du anhand des Aufbaus in Deinem Raum selbst festlegen.

    Wenn aber ca. 2.000 l/m Luft Dein entstehendes Gas mit 17 l/min verdünnen, so wird sich eine Konzentration von ca. 0,02 % ergeben. Damit würde der Raum als zonenfrei gelten.


    Nun habe ich als Ansatz eine 100% Lösung genommen, Du hast aber nur 70%. Das ergibt einen weiteren Sicherheitsfaktor.


    Aber alles beruht darauf, dass Deine Lüftung "sicher" ist. Du musst auch noch untersuchen, was Du machst, wenn die Lüftung ausfällt. Insgesamt ist die EN 60079-10-1 Dein Freund.

  • Hallo Günter, super, danke für die schnelle Antwort! Ich hab alles verstanden ausser

    "Nehmen wir mal an, das ca. 50 % Deiner Luftmenge zur Verdünnung des Gasgemisches dienen; in der Praxis kann es wesentlich mehr sein, aber ggf. auch weniger. Das musst Du anhand des Aufbaus in Deinem Raum selbst festlegen.

    Wenn aber ca. 2.000 l/m Luft Dein entstehendes Gas mit 17 l/min verdünnen, so wird sich eine Konzentration von ca. 0,02 % ergeben."


    Mit welcher Formel kommst du auf die 2000 l/m und dann anschliessend auf die Konzentraion von 0,02 %?


    Sorry das ich so doof frage, aber diese thema macht mich schon ganz verrückt, vorallem weil in den TRGS immer nur steht "achten sie darauf, ob sie sich innerhalb der UEG und OEG befinden"

    Aber da steht nicht, wie ich das berechnen kann :steinigung:

  • Spät dran mit der Antwort aber trotzdem


    Eine Kleinigkeit noch, wenn du den Lüfter und die Lüfterüberwachung zur Zonenreduzierung nutzen willst ist eine gewisse Qualität der Anlage erforderlich.

    Informationen wie das umzusetzen ist findest du in der TRGS 725. Das Ergebniss solltest du auch in dein Explosionsschutzkonzept aufnehmen.


    Gruß

    Christian