Austausch gegen Baugleich - Prüfung?

  • Hallo zusammen,


    wir haben bei uns ein Tanklager mit dem Flugkraftstoff JetA1 (FP <=38°C). Der Lagerbereich befindet sich außen mit herausnehmbaren 4000l Tanks. Dazu sind fest verbaut Pumpen, Steuerkasten Beleuchtung etc. in ATEX Ausführung. Der Bereich ist bei uns Zone 2 außer an der Probenentnahmestelle. In der Zone 2 ist nun ein ATEX Druckschalter mit der Zündschutzart Ex-D defekt und soll gegen das exakt gleiche Gerät getauscht werden. In der TRBS 1123 Abschnitt 3.2 habe ich dazu folgendes gelesen:

    Zitat

    (5)Bei einem Austausch baugleicher Geräte, Schutzsysteme oder Sicherheits-, Kontroll- oder Regelvorrichtungen im Sinne der Richtlinie 2014/34/EU handelt es sich nicht um eine prüfpflichtige Änderung, wenn die Montage durch fachkundige Personen erfolgt und sowohl die Montage-, Installations- und Aufstellbedingungen als auch die sichere Funktion unverändert bleiben. Eine Prüfung durch zur Prüfung befähigte Personen nach Anhang 2 Abschnitt 3 Nummer 3.1 ist in diesem Fall nicht erforderlich. Die ordnungsgemäße Ausführung der Arbeiten ist durch den Arbeitgeber sicherzustellen, damit das Arbeitsmittel weiterhin sicher verwendet werden kann. Die fachkundige Person nach Satz 1 muss aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung, ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten sowie Erfahrung mit der Montage und Installation von Geräten,Schutzsystemen, Sicherheits-, Kontroll- und Regelvorrichtungen im Sinne der Richtlinie 2014/34/EU qualifiziert sein, die übertragenen Arbeiten durchzuführen.

    Der Hersteller der Gesamtanlage ist ein niederländisches Unternehmen, welches nun ein schottisches Unternehmen beauftragt die Wartung und Instandhaltung durchzuführen. Jetzt stellt sich für mich die Frage wie wir als Betreiber sicherstellen können, dass der schottische Kollege entsprechend fachkundig ist ?

    Zudem muss doch ein Ex-D Gerät immer auf korrekte Installation hin durch eine bP 3.1 überprüft werden (Spaltmaße etc), oder sehe ich das falsch?


    Vielen Dank !


    Viele Grüße

    AnDo

  • Hallo AnDo79,


    ist Euer Tanklager nach BetrSichV bewertet worden? Ich gehe mal davon aus, aber ist dabei die Überwachung / Installationsprüfung durch eine ZÜS dabei herausgekommen?


    Grundsätzlich hätte ich keine Bedenken gegen einen Austausch eines baugleichen Gerätes (ich weiß aber nicht, was in Eurer Genehmigung / Anmeldung steht). Und wesentlich Punkte hast Du ja schon zitiert.


    Ich wüsste nicht, wo es steht, das ein neues druckfestes Gehäuse auf seine konstruktiven Maßnahmen hin nach einer Montage überprüft werden muss. Klar ist, dass Du die Teile zu prüfen hast, die bei der Installation berührt werden, so z.B. die Leitungseinführung. Hier ist der richtige Durchmesser der Leitung, ggf. die Einschraubtiefe (wenn sie demontiert war oder erst vom Installateur eingebaut wurde), die Länge der unverletzten Leitung im Ruckraum der KLE, etc. zu prüfen.

    Aber z.B. ein Schraubdeckel ist nicht nachzumessen, allerdings auf Fett (Säure-frei) zu prüfen.

    Hinweise gibt die EN 60079-17 und ggf. auch -19.

    Nicht vergessen das Typenschild zu prüfen und zu dokumentieren; denn Dein Explosionsschutzdokument musst Du ja um dieses Auswechseln ergänzen.


    Und ob der Richtmeister / Monteur des Montageunternehmen auch von der Fachkenntnis her kann, kannst Du Dir wohl nur schriftlich bestätigen lassen. Ich habe schon mal von verschiedenen Firmen sogenannte "Befähigungsnachweise" gesehen, aber in den Normen noch nicht. Unter IECEx ist es wohl weiter verbreitet, da die Unternehmen extra dazu geprüft werden....

  • Hallo Günter,


    danke für deine Antwort. Das Tanklager wurde durch eine ZÜS bewertet und es handelt sich hier nicht um eine erlaubnispflichtige Anlage nach §18 BetrSichV. Es ist eine ganz "normale" Ex-Anlage.

    Klar ist, dass Du die Teile zu prüfen hast, die bei der Installation berührt werden, so z.B. die Leitungseinführung. Hier ist der richtige Durchmesser der Leitung, ggf. die Einschraubtiefe (wenn sie demontiert war oder erst vom Installateur eingebaut wurde), die Länge der unverletzten Leitung im Ruckraum der KLE, etc. zu prüfen.

    Aber z.B. ein Schraubdeckel ist nicht nachzumessen, allerdings auf Fett (Säure-frei) zu prüfen.

    Also bedeutet das ja im Endeffekt, dass doch eine Inbetriebnahme Prüfung durch eine bP 3.1 erfolgen muss.?!

    Nicht vergessen das Typenschild zu prüfen und zu dokumentieren; denn Dein Explosionsschutzdokument musst Du ja um dieses Auswechseln ergänzen.

    Wie ist das gemeint, es ist ja das baugleiche Gerät? In meiner Betriebsmittelliste führe ich folgende Infos auf: Hersteller, Typenbezeichnung, Kategorie, Explosionsgruppe, Temperaturklasse und Baumusterprüfbescheinigung.

  • Hallo AnDO79,


    Also bedeutet das ja im Endeffekt, dass doch eine Inbetriebnahme Prüfung durch eine bP 3.1 erfolgen muss.?!

    Nach der Erstinstallation oder bei einer prüfpflichtigen Änderung muss eine Prüfung durch zPbP 3.1 oder ZÜS erfolgen.

    Die TRBS 1123 sagt dir jetzt, wenn du ein bestehendes Gerät gegen ein baugleiches Austauscht und alle weiteren Bedingungen auch erfüllt sind (so wie oben geschrieben) dann ist das keine prüfpflichtige Änderung und somit nicht Prüfpflichtig nach BetrSichV. Spätestens zur wiederkehrenden Prüfung muss dann aber wieder eine zPbP 3.1 oder auch die ZÜS drüber schauen.


    Wenn Ihr selbst zPbP 3.1 im Haus habt würde ich dennoch Prüfen um auf Nummer Sicher zu gehen, vor allem wenn die Arbeiten von Fremdfirmen ausgeführt werden.

    Die Fachkunde von dem Fremdpersonal kannst du und solltes du anfragen und Nachweißen lassen z.B. über Zertifikate, Sicherheitspässe oder auch eine IECEx Zertifizierung was bei uns in DE nicht ganz so geläufig ist.


    Baugleich

    Als baugleich werden solche explosionsschutzrelevanten Arbeitsmittel bezeichnet, die sowohl hinsichtlich ihrer verfahrenstechnischen Funktion als auch hinsichtlich ihrer sicherheitstechnischen Kennwerte den zu ersetzenden Arbeitsmitteln entsprechen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Patrick